Ölboykott originelle Idee

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Eine originelle Idee

  1. Mai 2004

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in Leser namens Jean-Marc Facchinetti, Arzt in Cannes, hatte eine originelle Idee. Was ist denn eigentlich die letzte Waffe der „Gedrängten“? Antwort: der Boykott eines Konsumgutes. Doch er bemerkt sofort, dass ein Produkt einer solchen Maßnahme zu entgehen scheint: Benzin, absolut unverzichtbar für die Nutzer. Es gibt nichts, was die Preiserhöhung an der Tankstelle verhindern könnte. Die Autofahrer wissen, dass Tankstellenmitarbeiter und Kraftstofflieferanten dafür nicht verantwortlich sind, dass sie mit ihrer Arbeit nur wenig verdienen. Die Verantwortlichen erscheinen unerreichbar, und die einzige Form der Protestkundgebung bleibt „die Unzufriedenheit“, die Politiker und Ölkonzerne völlig ignorieren. Sicher gibt es psychosoziale Studien, die darauf abzielen, die Benzinpreissteigerung an das Toleranzniveau der Einzelpersonen anzupassen. Denn es handelt sich letztlich um eine Steuer, eine Abgabe, und einen zusätzlichen Gewinn für die Ölkonzerne. In diesen Vertriebsketten, abgesehen von den geringen Rabatten in großen Supermärkten, befinden wir uns praktisch in einer Monopolposition. Die Preisausgabe an den Autobahneinfahrten erweckt Lächeln. Niemand würde auf die Idee kommen, dass hier ein echter Wettbewerb stattfindet. Facchinettis Idee besteht darin, über einen längeren Zeitraum nicht die Ölprodukte selbst, sondern einen bestimmten Händler, zufällig ausgewählt, zu boykottieren – beispielsweise SHELL-ESSO, die beide zum selben Konzern gehören. Ich halte die Idee für interessant. Man muss sie nur im Hinterkopf behalten. In der Nähe Ihres Arbeitsplatzes, in Ihrer Nähe zu Hause, suchen Sie die Tankstelle aus, die ganz bestimmt keine SHELL-ESSO ist. Auf der Autobahn reagieren Sie ebenso. Die Idee besteht darin, zufällig ein Ziel auszuwählen.

Die Leute könnten sich daran gewöhnen, sodass die Gewinne des Konzerns plötzlich merklich sinken könnten, zunächst nur leicht, dann deutlich. Wenn sich das Phänomen weiter ausbreiten würde, könnte man sich die Panik innerhalb eines so mächtigen Konzerns vorstellen.

– Warum wir und nicht die anderen?

Sicherlich ist dies die einzige Möglichkeit für die Verbraucher, ihren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass sie so ausgeplündert werden.

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