Sacromonte, fünfziger Jahre
Seite erstellt am 11. Dezember 2005
Das ist der Name einer Ecke in Granada, wo die Zigeuner leben, in „Cuevas“, in den Fels gehauenen, mit Kalk weiß getünchten Behausungen. Recht früh am Abend pflegten die Zigeuner, nachdem sie den Touristen ihre Ration an mit Kastagnetten, Fersenklappern und Flamenco-Serenaden rhythmisierten Tänzen serviert hatten, alle Touristen hinauszuwerfen, um unter sich Ruhe zu finden. Aber sie nahmen mich nicht als Fremden wahr, sondern als einen der Ihren, weil ich davon lebte, meine Zeichnungen auf der Straße zu verkaufen. So habe ich eine Zeit lang bei ihnen gewohnt. Ich zeichnete ununterbrochen. Wenn ich meine Zeichnungen nicht verkaufte, verschenkte ich sie. Das bezahlte Kost und Logis. Das Zeichnen hilft, Freunde zu finden, zum Essen eingeladen zu werden. Tatsächlich, wenn Sie mich irgendwo auf der Erde mit etwas zum Zeichnen oder Malen aussetzen, dann soll mich der Teufel holen, wenn mich nicht zwei Stunden später Einheimische an ihren Tisch eingeladen oder mir Obdach und Verpflegung angeboten hätten.
Im Sacromonte musste man mich für eine Art fahrenden Fotografen halten, und ich zeichnete ganze Familien mit einer Legion schwarzäugiger Gören, die mir überallhin folgten in der Hoffnung, dass ich ihre Visage zeichnen würde. In Kenia war es genauso. So ist es immer gewesen, überall, wohin ich gereist bin.
Im Sacromonte, du lieber Gott, wie schön diese jungen Zigeunerinnen waren! Esmeraldas, davon begegnete man dort an jeder Ecke der Gassen. Und was die Musik betrifft, so hatte die nichts mit dem zu tun, was die Export-Zigeuner einem heute vorsetzen und was nur eine minderwertige Suppe ist. Der reine Flamenco ist eine sehr strenge, extrem kodifizierte Kunst, ebenso wie der Flamenco-Tanz. Ich werde eines Tages dorthin zurückkehren, um guten Flamenco zu hören. Ich würde gern eine CD mit gutem, reinem Flamenco finden. Wenn jemand eine kennt.....
Kurzum, dort habe ich Gitarre gelernt. Dann habe ich jede Menge Musik komponiert, Lieder. Ich habe Geld verdient, indem ich in Cafés sang. Aber ich kenne immer noch keine Noten und verstehe nichts von Solfège. Die Zigeuner auch nicht.
Ich habe diesen Gitarrenkurs für jeden geschrieben, der will, ohne Noten, nur mit Zeichnungen.
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