Die Geheimnisse des B2
- August 2002
Seite 4
Die Missionen des B2.
Die Informationen über den B2 sind anschließend aus Interviews, der weiteren Broschüre oder aus Fotos zu entnehmen. In einem Interview mit Major Scott Vander Hamm aus März 1998 antwortete dieser auf eine Frage zur Lebensdauer des B2 und schätzte, dass diese Flugzeuge bis ins Jahr 2030 gehen würden. Er fügte hinzu: „da es hauptsächlich aus nichtmetallischen Materialien besteht“ (80 % nichtmetallische Bauteile, sogenannte „Composites“), seien sie weniger anfällig für Korrosion als andere Flugzeuge. Er betonte, dass die Stealth-Eigenschaften des B2 und des F-117 A „vergleichbar“ seien. Außerdem fügte er hinzu, dass beide Flugzeugtypen denselben Anforderungen entsprächen:
einen Durchbruch in einem stark geschützten und verteidigten Luftraum zu erzielen und präzise Waffen abzufeuern.
Er fügte hinzu, dass der Unterschied darin bestehe, dass
der B2 diese Art von Mission von mitten aus den USA aus starten und nach Abschluss seiner Mission wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkehren könne.
(In einem Artikel des Washington Post aus dem Jahr 1998 wurde eine Kontroverse über die Sinnhaftigkeit des B2 angesprochen. Zu jener Zeit war das Flugzeug noch nicht in einem Kriegseinsatz eingesetzt worden. Einige kritisierten, dass die Radaranstrichbeschichtung empfindlich gegenüber Regen sei (siehe weiter unten). Die Befürworter des Projekts sagten, es wäre kaum vorstellbar, B2-Basen an verschiedenen Orten der Welt einzurichten, da die Hangars teure Klimaanlagen benötigen würden. So ist ein „Allwetter-Bomber“ offensichtlich äußerst empfindlich gegenüber Temperatur- oder Feuchtigkeitsveränderungen).
Genau hier liegt die ganze Seltsamkeit dieser Maschine. Die Amerikaner haben Basen an zahlreichen Orten der Welt, die als Ausgangspunkte für eine Vielzahl von Missionen in verschiedene Länder dienen können. Die Tatsache, dass die Maschinen unbedingt von den USA starten und wieder dorthin zurückkehren müssen, erscheint äußerst merkwürdig. Am Ende der Broschüre wird beispielsweise eine Operation ENDURING FREEDOM (Enduring Freedom) am 5. November 2001 erwähnt, die auf den Anschlag am 11. September auf die Twin Towers von Manhattan folgte. Damals flogen sechs B2 des 509. Geschwaders von ihrer Basis in Whiteman, Missouri, nach Kabul, dann über Diego Garcia (Indischer Ozean) und führten eine Bombardierung mit 900-Kilogramm-Satelliten-gesteuerten Bomben aus einer Höhe von 15.000 Metern durch. (Kleine Randbemerkung: Hat man bemerkt, dass der B2 das 509. Bombergeschwader ist, das 1945 die Atombomben auf Japan abwarf, und 1947 in Roswell erstmals besondere Aufmerksamkeit durch frühe UFOs erfuhr?)
Diese Hinreise dauerte laut Broschüre 40 Stunden. Die B2 machten eine kurze Pause in Diego Garcia, wo die Besatzungen gewechselt wurden, die Toiletten geleert, die Tanks nachgefüllt wurden und die Maschinen sofort den direkten Rückweg antraten, ohne die Motoren abzustellen. Die Rückreise dauerte 30 Stunden. Die Motoren liefen also insgesamt 70 Stunden ohne Unterbrechung.
Anmerkung: Auf einer Website von Northrop und der US-Air Force stößt man auf andere Zahlen bezüglich dieser letzten Mission. Dort heißt es: „The B2 has repeatedly demonstrated to penetrate hostile air without being detected and its all-weather capability during Operation Allied Force and Operation Enduring Freedom with missions up to 44 hours duration“. Übersetzung: „Der B2 hat wiederholt seine Fähigkeit bewiesen, feindlichen Luftraum unbemerkt zu durchdringen, und während der Operation Allied Force und Operation Enduring Freedom Missionen bei einer Dauer von bis zu 44 Stunden durchzuführen.“
Diese zweite Information erscheint glaubwürdiger als die Angaben in der Broschüre von James Goodall. Denn wenn man mit einer Mission von 70 Stunden rechnet, unter Berücksichtigung der 40 Stunden Hinreise, ergibt sich eine Geschwindigkeit, die viel zu niedrig wäre. Es könnte sich also um einen Fehler in der Broschüre von James Goodall handeln (oder, noch einfacher, um ein Dokument, das gegen alle Vernunft verfasst wurde).
Trotzdem ist es durchaus interessant, diese Hin- und Rückflüge auf einer Weltkarte darzustellen.
Der Hinflug beträgt mehr als 16.000 Kilometer. Es müssen drei Luftbetankungen durchgeführt werden, die nicht unter 7500 Metern Höhe und bei 250–350 Knoten Geschwindigkeit erfolgen können. Auf der Karte sieht man, dass eine der Betankungen notwendigerweise über Russland stattfinden musste. Obwohl Russland heute ein „Freund“ ist, sollte man bedenken, dass ein Flugzeug bei einer Luftbetankung besonders verwundbar ist. Es fliegt niedrig und langsam und ist daher für Boden-Luft-Raketen erreichbar. Außerdem ist der Betankungsflieger, der nicht bewaffnet ist, selbst verwundbar. Wenn die gesamte Mission vom Erfolg des Treffens abhängt, und dieses misslingt oder der Betankungsflieger abgeschossen wird, ist das Ende der Mission besiegelt. Laut André-Jacques Holbecq dauert eine Luftbetankung relativ kurz, etwa 15 bis 20 Minuten. Wir geben maximal eine Stunde dafür. Wenn man drei Stunden für die Betankungen abzieht, bleiben 37 Stunden Flugzeit. Für 16.000 km ergibt das eine Geschwindigkeit von 432 km/h. Egal von welcher Seite man es betrachtet, mit den Zahlen aus der Broschüre ergibt sich Unsinn. Ein Flugzeug kann bei 15.000 Metern Höhe unmöglich so langsam fliegen, ohne sofort abzustürzen. Außerdem sei bemerkt, dass der Flug nach Jugoslawien (insgesamt 30 Stunden) eine Hinflugzeit von 16 Stunden vorsah, was 14 Stunden für die Rückreise übrigließ. Das ist logisch nicht haltbar, da bei der Hinreise die Jetstreams (die Routen entsprechen transatlantischen Flügen in hoher Breite) genutzt werden. Außerdem ist bekannt, dass ein Flugzeug mit oder ohne Bombenlast in der inneren Waffentasche mit derselben Geschwindigkeit fliegt. Noch mehr Dinge, die geklärt werden müssen...
Anmerkung: Die Website der Air Force sagt:
Diese enorme Fähigkeit ermöglicht dem Flugzeug, jeden Punkt der Welt (einschließlich der Antipoden) in weniger als 24 Stunden zu erreichen und dort eine Vielzahl von Waffen einzusetzen. Auch hier erscheinen die Zahlen, berücksichtigt man die Distanz (20.000 km) und die benötigten Luftbetankungen, plausibler als die Angaben von James Goodall in seiner Broschüre. Wir kehren nun wieder zu dieser zurück.
Im Interview sagt Major Przybyslawski:
Der B2 ist die Kombination aus Stealth, großer Reichweite, hoher Nutzlast und hochpräziser Munition, wodurch er zum leistungsstärksten Langstreckenbomber der Welt wird.
Man fragt sich, welchem Flugzeug er dabei wohl verweist. Im Folgenden finden Sie die Dreiseitenansicht und die technischen Daten des B2.
B2: Dreiseitenansicht.
Die 9000 km entsprechen einer erreichbaren Distanz.
In der Broschüre, Seite 49, steht:
The flight from Whiteman AFB to Afghanistan required six aerial refueling.
Es scheint sinnvoll, diesen Satz zu übersetzen als:
Der Angriff auf Kabul von Whiteman aus erforderte insgesamt sechs Luftbetankungen.
Das ist bereits beachtlich. Der Text des Majors deutet darauf hin, dass solche B2-Missionen sich...