Die Welt nach Monsanto
Die Welt nach Monsanto
Bericht aus dem Web-Portal Boule de Neige, 14. März 2008


Kommentar zu diesem ersten Teil von „Boule de Neige“
Was sind die Konfliktpunkte bei Gentechnik?
Boule de Neige präsentiert Ihnen hier eine erste Zusammenfassung des außergewöhnlichen Dokumentarfilms, der die Strategie der amerikanischen Multinationale aufzeigt, die Welt mit Gentechnikpflanzen zu erobern und die gesamte weltweite Nahrungsmittelversorgung zu kontrollieren.
MONSANTO, weltweit führend in der Biotechnologie und eine der größten Chemiekonzerne des 20. Jahrhunderts: 90 % der weltweit angebauten Gentechnikpflanzen gehören Monsanto.
Monsanto ist auch eine der umstrittensten Unternehmen. Daneben steht: Aspartam, das gelbe Gift (Agent Orange), PCBs und das Wachstumshormon für Rinder.
KANN MAN MONSANTO TRAUSTEN?
Monsanto hat dem Publikum und seinen eigenen Mitarbeitern 30 Jahre lang verheimlicht, dass sie wussten, dass PCBs (Isolieröle für Transformatoren) extrem giftig für den menschlichen Organismus sind. Als sie es den Behörden schließlich enthüllten, stellten sich diese auf die Seite von Monsanto. Ein unverzeihlicher Skandal.
Im Laufe der Zeit haben sie die Luft und das Wasser kontaminiert; heute ist die gesamte Erde mit PCBs belastet. Sie verursachen zahlreiche Krankheiten, wobei Krebs die bekannteste Folge ist. Frauen, die mit PCBs belastet sind, bringen Kinder mit vermindertem Intelligenzquotienten zur Welt. PCBs beeinträchtigen die Schilddrüsenfunktion und stören die Sexualhormone.
Im Jahr 2001 reichten 20.000 Menschen aus Alliston (Missouri/USA), wo sich eine Monsanto-PCB-Fabrik befindet, Klage gegen das Unternehmen ein. Es wurde verpflichtet, den Standort zu dekontaminieren, die Opfer zu entschädigen und ein spezialisiertes Krankenhaus zu bauen. Doch die Schadensersatzleistungen betragen nur einen Bruchteil der Gewinne, und kein einziger Monsanto-Manager wurde strafrechtlich verfolgt. Im amerikanischen Rechtssystem ist es äußerst selten, dass Unternehmensmanager strafrechtlich verantwortlich gemacht werden.
Es lohnt sich also, Geheimnisse zu wahren.
Man fragt sich, welche Geheimnisse sie heute noch hüten. Man kann einer Firma wie Monsanto niemals vertrauen, wenn es um die Wahrheit über ein Produkt oder eine Umweltbelastung geht. Niemals.
Zum Beispiel brachte Monsanto 1974 einen Totalherbizid (Roundup) auf den Markt, der großen Erfolg hatte, weil er als biologisch abbaubar und umweltfreundlich beworben wurde. Das Unternehmen wurde zweimal wegen irreführender Werbung verurteilt: Erst 1996 in New York, dann im Januar 2007 in Frankreich. Die Gerichte erklärten die Angaben „biologisch abbaubar“, „umweltfreundlich“ und „lässt den Boden sauber“ für irreführend… „insbesondere da laut Studien des Unternehmens selbst nur eine biologische Abbaustufe von 2 % nach 28 Tagen erreicht wird“. Deshalb ist der Begriff „biologisch abbaubar“ kürzlich von den Verpackungen verschwunden.
Das ist aber noch nicht alles. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Roundup hochgiftig ist. Ein Beispiel: Roundup verursacht Störungen der Zellteilung (Studie von Professor Robert Belé / Roscoff). Er arbeitet für das CNRS und das Institut Pierre und Marie Curie. Er untersuchte die Wirkung von Roundup auf befruchtete Seesterne-Eier.
Hier ist seine Aussage:
Professor Robert Belé: „Die größte Überraschung war, dass Roundup einen Einfluss auf die Zellteilung hat. Was durch Roundup beeinträchtigt wird, ist ein entscheidender Mechanismus der Zellteilung – nicht die Zellteilung selbst, sondern der Mechanismus, der die Zellteilung steuert. Man muss verstehen, wie Krebs entsteht: Zellen sind ursprünglich nicht krebsartig, aber irgendwann treten Veränderungen in ihnen auf, und die wichtigste Veränderung ist, dass sie genetisch instabil werden. Genau diesen ersten Störungsmechanismus haben wir mit Roundup beobachtet. Deshalb sagen wir, dass Roundup die ersten Schritte auslöst, die zu Krebs führen. Wir achten darauf, nicht zu sagen, dass es Krebs verursacht, weil Krebs erst in dreißig oder vierzig Jahren auftreten könnte. Wir erkannten sofort, welche Konsequenzen das für die Anwender haben könnte, da die untersuchten Dosen weit unter denen liegen, die Menschen tatsächlich verwenden. Wir beschlossen, die Öffentlichkeit schnell zu warnen. Ich dachte, der beste Weg sei, mich an meine Vorgesetzten zu wenden. Doch ich war sehr, sehr überrascht – man hat mich sogar sehr stark dazu ermutigt, nichts zu veröffentlichen, weil dahinter die Gentechnik steht!“
Diese Geschichte ist unglaublich: Die Giftigkeit von Roundup wurde verheimlicht, um die Gentechnik zu schützen.
ROUNDUP READY
ASA: American Soybean Association (Amerikanische Sojabohnen-Assoziation). John Hoffman, deren stellvertretender Vorsitzender, ist ein unbedingter Befürworter der Biotechnologie.
John Hoffman: „Im Frühjahr, am 1. Mai, sprühe ich zum ersten Mal Roundup auf, um Unkraut zu töten. Etwa sechs bis sieben Wochen später mache ich eine zweite Anwendung. Das reicht für den Rest des Jahres. Vor der „Roundup Ready“-Technologie hatten die Felder Unkraut. Wir mussten sie kontrollieren und manuell ausreißen; das war sehr viel Arbeit. Das Roundup-Ready-System spart mir Zeit und Geld.“
Offensichtlich ist das neue Wunderwerk von Monsanto für Landwirte äußerst attraktiv. Aber wie funktioniert es? Wie kann die Sojabohne den Spritzungen von Roundup widerstehen?
Im Inneren der Sojabohnezelle befindet sich der Zellkern, der das Erbgut der Sojabohne enthält. Um eine Gentechnikpflanze zu schaffen, überschreitet Monsanto die Artenbarriere. Die Forscher haben ein Gen aus einer Bakterie ausgewählt, das Widerstand gegen Roundup verleiht. Das Gen wird auf mikroskopisch kleine Goldpartikel gebunden, die mit einem Genkanon in die Sojabohnenzellen hineingeschossen werden. Das Gen dringt in das Erbgut ein und produziert eine Proteine, die der Pflanze ermöglicht, Roundup zu widerstehen. Wenn der Herbizid versprüht wird, tötet er alle Unkräuter, außer die Sojabohnen.
Zugegeben, das ist eine beachtliche technologische Leistung, aber dennoch handelt es sich um eine Sojabohne, die mit einem starken Herbizid besprüht wird, das letztlich auf dem Teller des Verbrauchers landet.
Man kann sich vorstellen, dass sie sorgfältig getestet wurde, bevor sie auf den Markt kam.
Wer war damals Landwirtschaftsminister? Dan Glickman war von 1995 bis 2000 Minister unter Bill Clinton.
Dan Glickman: „Zu Beginn meiner Amtszeit gab es in der Agrarindustrie und bei der US-Regierung eine breite Übereinstimmung. Wenn man nicht blindlings für Biotechnologie und Gentechnikpflanzen war, wurde man als anti-wissenschaftlich und anti-fortschrittlich betrachtet. Ehrlich gesagt, ich denke, wir hätten mehr Tests durchführen sollen, aber die Agrarindustrie wollte das nicht, weil sie riesige Investitionen getätigt hatte. Als Verantwortlicher für die Behörden, die die Landwirtschaft regulieren, wurde ich stark unter Druck gesetzt, sagen wir mal, nicht zu streng zu sein! Die einzige Gelegenheit, bei Clintons Amtszeit darüber zu sprechen, wurde mir streng verboten – nicht nur von der Industrie, sondern auch von Regierungsmitarbeitern. Tatsächlich hielt ich eine Rede...“