Politik Gesellschaft Geschichte Revolution

politique politique

En résumé (grâce à un LLM libre auto-hébergé)

  • Der Artikel vergleicht den schrittweisen Verlust von Freiheiten und sozialen Rechten mit dem Abreißen der Blütenblätter einer Gänseblümchen.
  • Er kritisiert politische Parteien und Führungspersönlichkeiten und betont ihre Unfähigkeit, echte Lösungen anzubieten.
  • Der Autor erwähnt den Zusammenbruch von Systemen wie der Sowjetunion und die Rolle extremer Ideologien in der heutigen Gesellschaft.

Politik Gesellschaft Geschichte Revolution

Wie man dem Gänseblümchen
die Blütenblätter abreißt

24. Oktober 2004

Übersetzung: Stephanie Helle

Jean-Pierre Petit

Leser meiner Generation erinnern sich sicherlich an den Film von Brigitte Bardot mit diesem Titel. Doch über dieses Gänseblümchen möchte ich heute nicht sprechen. Ich denke an einen Vergleich, den mir einer meiner Leser vorgeschlagen hat: In Frankreich und in vielen anderen Ländern reißt man den Gänseblümchen die Blütenblätter ab. Die staatlichen Autoritäten bauen nach und nach all unsere Freiheiten und sozialen Errungenschaften ab. Da die Menschen nicht mehr geschlossen zueinander stehen, kann keine Partei oder Gewerkschaft mehr die einzelnen Personen oder Betriebsbelegschaften verteidigen. Alles löst sich leise auf. Kein Blütenblatt reagiert, wenn dem Nachbarn die Kehle durchgeschnitten wird, kein Blütenblatt ist sich bewusst, dass es selbst bald das nächste Opfer sein wird.

Und da sich wirkliche Lösungen nicht abzeichnen, kann man einfach verzweifeln. Arlette Laguiller lässt sich regelmäßig zur Wahl stellen und hält ihre kleinen Reden in einem monotonen Klageklang. Sie spricht von der „Arbeiterpartei“ und von den „Arbeitgebern“. Auch wenn sie die ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft und die Ausplünderung unserer sozialen Rechte anprangert, bleibt ihre politische Botschaft doch dürftig, existenzlos, wie die allerer, die sich als „Linke“ ausgeben, ganz gleich, ob nun auf der linken Seite Kaviar gegessen wird oder nicht. Einige Reden erinnern an das Thema der „Selbstverwaltung“ der sozialen Revolutionäre von 1968, den größten Unsinn, den es in der Geschichte unserer Gesellschaft je gegeben hat.

Nein, Unternehmen funktionieren nicht, wenn Arbeitergruppen sie lenken. Der Kommunismus hat auch nicht funktioniert. Doch das Ganze ist natürlich viel komplexer. Auch wenn es in der Sowjetunion guten Willen (und viel Anständigkeit) gab, ist dieses Reich, das in extremster Autokratie errichtet wurde – eine Autokratie, die Stalin sich ausgedacht hatte – wirtschaftlich erstickt worden, gezwungen durch die USA, ein Verteidigungsarsenal zu entwickeln, das den Hauptteil seines Bruttosozialprodukts verschlang. Die Sowjetunion hatte niemals genügend Mittel, um Butter und Kanonen zu haben. Am Ende stürzte alles wie ein Kartenhaus zusammen, und die Russen zeigten ihre Unfähigkeit, von einem Extrem ins andere zu wechseln, von einer nach außen hin isolierten Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft. Es wirkt, als hätten sie von einem Tag auf den anderen alle Mängel unseres Wirtschaftssystems übernommen, ohne gleichzeitig in den Genuss seiner wenigen Vorteile zu kommen. Heute füllen sich die Bahnhofshallen Russlands mit minderjährigen Prostituierten, die Märkte sind vollgestopft mit alten Menschen, die ihren Besitz verkaufen, um zu überleben. Das soziale Sicherungssystem der Sowjetunion ist durch Elend ersetzt worden.

Und nicht lange nachdem sie von Castro kurzerhand aus dem Land hinausgeworfen worden war, hat sich die amerikanische Mafia wieder in ihrem früheren Hauptquartier breitgemacht. Mao’s China hat den stählernen Stock seines Steuermanns geerbt. Dort kämpft der Staat gegen die Drogeninvasion, indem er jeden Besitzer der kleinsten Drogenmenge einfach erschießt. China hat die Marotten seines nach jungen Frauen gierigen Guru-Führers hinter sich gelassen, eines Literaten, der zu seiner Zeit mit seiner weitbekannten Effizienz Metallarbeiter spielen wollte. Sollten einige meiner Leser nicht auf dem Laufenden sein: Lassen Sie mich hinzufügen, dass er die Bauern Chinas angewiesen hatte, künftig in den Hochöfen ihrer Dörfer ihren eigenen Stahl herzustellen. Auf der anderen Seite der Welt spielte Stalin Agrarwissenschaftler und beschloss unmittelbar nach dem Krieg, dass sein Volk die Ernteerträge auf spektakuläre Weise steigern könne, wenn die Felder von als Traktoren umgebauten Panzern „einen Meter tief gepflügt würden“. Als Ergebnis dieser Politik wurden die Felder ganzer Regionen lange Zeit steril, weil sich die fruchtbare Erde nun einen Meter unter der Oberfläche befand und die auf Samen nicht reagierende Erde oben lag.

In den arabischen Ländern profitieren die religiösen Führer von der Angst und machen ihren Schäfchen die Scharia und die Burka als Rettungsring schmackhaft, im Angesicht der immer offensichtlicher werdenden sittlichen Verwirrung in den westlichen Ländern. Diese Strategie hat den Vorteil, einfach verständlich zu sein, auch wenn die angebotene Lösung vor mehr als tausend Jahren erfunden wurde. Darüber hinaus bietet diese Weltsicht für jedes Problem eine Lösung. Sie liefert ein streng reguliertes, gut definiertes Lebensmodell, ein ultra-stabiles soziales System, das mit allen Ungerechtigkeiten fertig wird, und Antworten auf die menschliche Existenzangst. In dieser Weltsicht ist alles vorgesehen. Während die Menschen der westlichen Länder gegen ihre Schwermut Antidepressiva schlucken, Mauern bauen oder im Einklang mit einem anderen biblischen Gebot, der Vergeltung, blind Raketen abschießen, wird den Verzweifelten auf der anderen Seite ein anderer Ausweg gezeigt: Der Selbstmord, mit unterschriebener Garantie hinsichtlich der Seligsprechung im Jenseits. Doch selbstverständlich schicken die Politiker niemals ihre eigenen Kinder in die Schlacht, weder in den arabischen Ländern noch in den USA. Der Tod war und ist immer für die Armen bestimmt gewesen.

Das Phänomen des islamischen Fanatismus wird selbst zunehmend zu einer politischen Kraft internationaler Bedeutung. Die Aktionen der Kamikaze sind unvergleichlich wirksam. Man könnte sie die „Atombombe der technologisch unterentwickelten Völker“ nennen. Ihnen gegenüber sind die mit Lasern und thermonuklearen Waffen ausgestatteten, von spionierenden Flugzeugen unterstützten und mit GPS-gesteuerten Bomben bewaffneten Cowboys völlig machtlos. Eine solche Situation haben wir auf unserem Planeten noch nie erlebt. Sie ist historisch bemerkenswert. Selbst die europäischen Länder gleichen Strohballen, die jederzeit Feuer fangen können. Man braucht sich nur den Algerienkrieg anzusehen, um zu verstehen, wie schnell sich eine bestimmte Situation entzünden kann. Nach der ersten Bombenexplosion werden die rechtsextremen Parteien ihr bisher schlummerndes Gift hervorholen. Wer lässt die erste Bombe explodieren? Gute Frage! Wer zieht die Fäden? Wer organisiert die erste Welle von Selbstmordattentaten in diesem oder jenem europäischen Land? Die religiösen Führer oder ... die Amerikaner selbst, weil sie versuchen wollen, die Europäer zu zwingen, an Amerikas Kreuzzug „gegen den Terrorismus“ teilzunehmen?

Haben die amerikanischen Falken durch ein gegen sie selbst gerichtetes, völlig machiavellisches Attentat am berühmten 11. September die Dinge durchsichtig wie Pfeifensaft beschleunigt? War das ein gut durchdachter politischer Schachzug, um anschließend freie Hand zu haben und wunderbar in unlösbare und menschlich katastrophale Situationen zu versinken? Irak erinnert an den Rückzug Russlands. Historisch gesehen sind diese beiden Situationen vergleichbar. Die Wissenschaft bietet ebenfalls keine Lösung, und da sie eng mit den militär-industriellen Lobbygruppen zusammenarbeitet (diese Zusammenarbeit ist heute ihre wichtigste „Forschungs- und Entwicklungstätigkeit“ geworden), diskreditiert sie sich selbst. Sie dient hauptsächlich der Steigerung der Gewinnraten, der Verfestigung der Machstrukturen, der Monopole, in völliger Verantwortungslosigkeit, sichtbar im Abenteuer der genetisch veränderten Pflanzen ...